Die Sono-Anatomie der Leber

Grundlagen

 

Bei der Betrachtung der Leber von außen fällt am deutlichsten das lig. falciforme ins Auge, welches die Leber in einen linken und einen rechten Teil gliedert. Der Abschnitt links des lig. falciforme sollte nicht als "linker Leberlappen" bezeichnet werden, weil funktionell gesehen nicht das lig. falciforme sondern die Leber-Gallenblasen-Linie die Grenze zwischen den Leberlappen darstellt. Korrekterweise bezeichnet man den Leberabschnitt links des lig. falciforme als das laterale Doppelsegment, weil sich hier die Lebersegmente II und III befinden. Am Unterrand des lig. falciforme zieht das lig. teres hepatis als strangförmige Verdickung innerhalb des lig. falciforme in die Leber hinein und endet in der Tiefe am linken Portalast. Zwischen dem lig. falciforme und der Gallenblase befindet sich das Lebersegment IV. Hier befindet sich - an der Grenze zwischen pars libera und pars affixa - der Leberhilus. Lebervorder- und Unterfläche bilden den Leberrrand, der physiologischerweise spitzwinkelig und spitz konfiguriert ist.


 

 

Wie oben erwähnt, bezeichnet man den Bereich links des Lig. falciforme als das laterale Doppelsegment. Auf diesem Bild wird der Zusammenhang unmittelbar deutlich. Die Lebervenen markieren die Grenzen zwischen den Doppelsegmenten. Das Segment IV, gehört funktionell zum linken Leberlappen. Es wird als das mediale Doppelsegment bezeichnet. Doppelsegment deshalb, weil sich an der Dorsalseite des Segmentes IV das Segment I befindet (Lobus caudatus), welches bei Betrachtung von ventral nicht sichtbar ist. 

Zwischen der mittleren und der rechten Lebervene befindet sich das anteriore Doppelsegment (V und VIII). Lateral der rechten Lebervene befindet sich das posteriore Doppelsegment (VI und VII). Formal teilt die Ebene der Pfortaderäste die Doppelsegmente jeweils in ein superiores und ein inferiores Segment. Eine saubere Differenzierung der Segmente gelingt jedoch sonographisch nur ausnahmsweise.

 

 


 

 

 

Hier sehen Sie eine andere Darstellung der Lebersegmente, die die Lage des Lobus caudatus (Segment I) illustriert. Es ist dargestellt, dass die V. Cava dorsal des Segmentes IV verläuft. Der Lobus caudatus befindet sich in der pars affixa an der Dorsalfläche der Leber unmittelbar ventral der V. Cava. Er ist vom Segment IV durch ein Septum abgegrenzt, welches sonographisch darstellbar ist. Der caudale Abschnitt des Segmentes IV gehört zur pars libera und ist im dorsalen Abschnitt Teil der Leberunterfläche.


Die sonographischen Schnitteben verlaufen teilweise parallel zur Leberunterfläche, so dass das sonographische Bild einem Blick auf die Unter- und Rückseite der Leber gleicht. Die gestrichelte Linie zeigt die Grenze zwischen der Hinterfläche (pars affixa) und der Unterfläche (pars libera) der Leber. Man erkennt die Position des lig. falciforme und die Cava-Gallenblasen-Linie. Letztere ist als Fissura principalis die wirkliche Grenze zwischen dem rechten und dem linken Leberlappen. Man sieht die Hilusgefäße (V.portae, A. hepatica und Gallenwege) an der Grenze zwischen pars affixa und pars libera in das Segment IV eintreten. Pfortader und Gallengänge werden wir also sonographisch zwischen dem Lig. falciforme und der Gallenblase suchen. Das Segment IV b wird auch als Lobus quadratus bezeichnet.

Die posteriore Lage der Segmente VI und VII wird deutlich. Fokale Veränderungen, die sich lateral der rechten Lebervene und hoch diaphragmal befinden, sind dem Segment VII zuzuordnen.


 

Die Pfortader verzweigt sich unmittelbar nach Eintritt in die Leber nahezu T-förmig in einem 90°-Winkel. Der linke Portalast knickt noch einmal rechtwinklig nach ventrodorsal ab und läuft in diesem Abschnitt auf den Schallkopf zu. Vom linken Portalast gehen Seitenäste in die Segmente II, III und IV. De rechte Ast der A. hepatica propria unterkreuzt den D. choledochus und den D. hepaticus dexter. Dies ist sonographisch häufig darstellbar. Der D. choledochus überkreuzt die Pfortader in einem flachen Winkel. Der D. hepaticus dexter ist ventral des rechten Pfortaderastes sonographisch häufig darstellbar, auch der rechte Ast der A. hepatica propria, welcher die Pfortader über- und den D. hepaticus dexter unterkreuzt, kann hier zur Darstellung kommen. 


Sonographische Bilder

Bei der Sonographie der Leber beurteilen wir:

  • die Leberkapsel
  • den Leberunterrand
  • die Echogenität und Homogenität des Parenchyms
  • die Weite und Echogenität der Lebervenen
  • die Weite und Echogenität der Pfortader
  • die Weite der Gallenwege
  • die Größe der Leber insgesamt
  • die Größe des Lobus caudatus

In den folgenden Darstellungen wird mindestens ein pathologischer Befund im Vergleich zum Normalbefund dargestellt. Dies hat zunächst nur exemplarischen Charakter und soll das Lernen erleichtern. Eine systematische Darstellung der sonographisch darstellbaren Krankheitsbilder folgt an anderer Stelle. 


Die Leberkapsel

Die Leberkapsel stellt sich sonographisch als glatte echoreiche Linie dar. Sie kann in jeder Schnittebene beurteilt werden. Es ist günstig, die Eindringtiefe erheblich zu verringern, wenn die Leberkapsel beurteilt werden soll. Dabei ist darauf zu achten, dass der Fokus auf die Höhe der Kapsel eingestellt ist.

Bei diesem Patienten stellt sich die Leberkapsel nicht als glatte gleichmäßige Linie dar. Sie verläuft wellig und ist nicht im gesamten Verlauf gleich deutlich abzugrenzen. Die häufigste Ursache für dieses Bild ist die Leberzirrhose mit einem grobknotigen Umbau der Leber. In umschriebener Form können auch Tumoren dieses Bild verursachen.

 

 

Auch hier ist die Kapsel keine glatte Linie mehr, sondern zeigt einen unregelmäßigen Verlauf mit kleinen Unterbrechungen. Dies ist das typische Bild eines feinknotigen Umbaus bei Leberzirrhose.

 

Zusätzlich sieht man perihepatisch eine echofreie Zone, also intraabdominelle Flüssigkeit. Insgesamt spricht der Befund für eine Leberzirrhose mit Aszitesbildung.


Der Leberunterrand

Normaler Leberrand

Der Leberunterrand stellt sich auf den paramedianen Längsschnitten dar. Er ist spitz konfiguriert. Der Winkel zwischen der Vorder- und Unterfläche der Leber beträgt 45° oder weniger. Auf dem Bild sieht man den Leberunterrand auf einem Längsschnitt in der Ebene der Gallenblase.

Verplumpter Leberrand

Im Gegensatz zum Bild oben stellt sich der untere Leberrand hier völlig anders dar. Seine Konfiguration ist abgerundet und verplumpt. Der Winkel zwischen der Lebervorderfläche und der Leberunterfläche ist größer als 45°. Darüber hinaus ist die Echogenität der Leber diffus vermehrt, so dass die Anschnitte der Lebervenen und Pfortaderäste weniger deutlich sichbar sind. Dies sind Kriterien der Fettleber. Die Übergänge zur Fettleberzirrhose sind fließend.


Das Leberparenchym

Unauffälliger Echomuster der Leber

Das normale Echomuster der Leber ist homogen und zeigt die gleiche Echogenität wie das Nierenparenchym. Kleine Reflexe innerhalb des Parenchyms entsprechen kleinen Pfortaderästen. Die Wände der Pfortaderäste  stellen sich echogener da als die Anschnitte der Lebervenen. Dies rührt daher, dass die Pfortaderäste meist senkrecht vom Schallimpuls getroffen werden und gemeinsam mit Arterienästen und Gallengängen eine echogenere Struktur darstellen (Glisson' Trias). 

Vermehrte Echogenität

Hier ist die Echogenität der Leber vermehrt, wie man im Vergleich zum Nierenparenchym sieht. Die kleinen Gefäßanschnitte kontrastieren nur gering zu dem echoreichen Parenchym. Diese Vermehrung de Echogenität ist ein Kriterium der Fettleber - neben der Abrundung des Leberunterrandes und der Hepatomegalie

Inhomogene Echotextur

Hier ist die Homogenität des Leberparenchyms massiv gestört. Es finden sich multiple echoarme fokale Parenchymveränderungen. Dieses Bild ist charakteristisch für eine Metastasenleber. Für die Diagnosesicherung ist natürlich eine weiterführende Diagnostik mit einem Kontrastmittelverfahren, die Suche nach dem Primärtumor und möglicherweise eine Feinnadelpunktion erforderlich.

Auf die Differenzialdiagnose der fokalen Leberparenchymläsionen soll an anderer Stelle noch einmal eingegangen werden. 


Die Lebervenen

Normale Lebervenenmündung

Die Einmündung der Lebervenen stellt man dar, indem man den Schallkopf flach auf die Hautoberfläche auflegt und dann langsam aufrichtet. Die Schnittführung wurde hier als Oberbauchquerschnitt begonnen und leicht in Richtung eines Subkostalschnittes angepasst. Dargestellt sind hier nur die linke und die mittlere Lebervene, die sich in diesem Fall fast gedoppelt darstellt. Die rechte Lebervene ist nur ganz kurzstreckig im Mündungsbereich zu sehen. Für eine verbesserte Darstellung der rechten Lebervene ist eine Positionierung des Schallkopfes mehr in Richtung der Subkostalposition erforderlich.

Für die Weite der Lebervenen gelten 10 mm als Obergrenze.

 

In der Peripherie des Lebergewebes sieht man außerdem hier ganz schön die kleinen Doppelreflexe, die durch kleine Portaläste hervorgerufen werden.

Normalbefund, rechte Lebervene

Hier ist die rechte Lebervene herausgearbeitet. Sie zeigt hier einen echogeneren Wandreflex als die mittlere Lebervene im selben Bild. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass der Ultraschallimpuls hier senkrecht auf die Gefäßwand trifft. Die schräg durch das Bild laufende mittlere Lebervene zeigt dieses Wandecho nicht. Die kleinen Gefäße mit echogenen Wänden dürften alle durch Portaläste verursacht werden.

Man erkennt daran, wie bedeutsam der Anschall-Winkel für die Energie der Echos ist. 

Normale Lebervenen

Die obigen Beispiele zeigen schon recht prominente Lebervenen. Häufig ist die Darstellung wesentlich weniger deutlich wie hier im Bild. Die Anschnitte der Lebervenen lassen sich dann in der dynamischen Untersuchung zur Einmündung im "Venenstern" verfolgen.


Das Pfortadersystem

Linker und rechter Portalast in einem Schnitt

Die intrahepatischen Anteile der Pfortader lassen sich häufig in einer einzigen Schnittebene erfassen. Die Schallkopfposition entspricht dabei einem Oberbauchquerschnitt oder Subkostalschnitt. Der weiße Balken in der Leberskizze deutet die Schallkopfposition an. Die Skizze der Pfortader gibt die Perspektive des Untersuchers wieder. Die Schallebene verläuft parallel zur Leberunterfläche, deshalb ähnelt das Bild dem Blick auf die Leberunterseite. Der Hauptstamm der Pfortader liegt außerhalb der Schallebene und stellt sich deshalb nicht dar. Erfasst werden der rechte und der linke Portalast. Der linke Portalast knickt im Bereich des Lig. falciforme nach ventrokaudal ab und läuft hier also auf den Schallkopf zu. Im sonographischen Bild sieht man das Ligament als helle Reflexlinie vom Ende des linken Pfortaderastes zur Bauchwand ziehen. Links im Bild ist auch die Gallenblase erkennbar. Das Leberareal zwischen Pfortader, Gallenblase und Lig. falciforme ist der Lobus quadratus, ein Teil des Segmentes IV. Diese Bild der Pfortader wird auch als "Pfortadergeweih" bezeichnet, wenn auch die Ähnlichkeit mit einem Hirschgeweih nun wirklich nicht sehr groß ist.

Der distale Abschnitt des linken Portalastes

Im mittleren Oberbauchquerschnitt stellt sich oft der nach ventrokaudal abknickende Teil der linken Portader besonders markant dar. Man sieht deutlich die in das laterale Doppelsegment führenden Seitenäste und das Lig. falciforme. In der Tiefe ist auch ganz zart das Lig. venosum erkennbar, welches den Lobus caudatus begrenzt. 

Die diagnostische Bedeutung des linken Portalastes

Diese Art des Oberbauchquerschnittes ist aus zwei Gründen von besonderer diagnostischer Bedeutung: 

  1. Bei einer Dilatation der Gallenwege im linken Leberlappen stellt sich der Gallengang als Gefäß dar, welches parallel zum Pfortader-Seitenast in das laterale Doppelsegment zieht. Oft ist der Gallengang genau so dick wie der zugehörige Pfortaderast. Das entstehende sonographische Bild wird als "Doppelflintenphänomen" bezeichnet (mittleres Bild). 
  2. Da der links gelegene Abschnitt der Pfortader direkt auf den Schallkopf zuläuft ergibt sich ein optimaler Winkel für den Farbdoppler. Deshalb ist diese Stelle interessant, wenn nach einer Pfortaderthrombose gesucht wird. Physiologischerweise ist der Blutfluss hier rot kodiert, weil er auf den Schallkopf zuläuft, die Pfortader wird ja hepatofugal durchströmt (rechtes Bild) .

Der linke Portalast im Oberbauchlängsschnitt

Der nach ventrokaudal abknickende distale Abschnitt des linken Portalastes kann auch im Oberbauchlängsschnitt dargestellt werden. In dieser Ebene verlaufen keine größeren Seitenäste. In dieser Einstellung gelingt jedoch die Darstellung des Lig. teres hepatis im Längsschnitt. Dieses Ligament repräsentiert die obliterierte Nabelvene. Die Zeichnungen zeigen die Position der Schallebene und das sich daraus ergebende Schnittbild. Das nebenstehende Ultraschallbild zeigt ein kräftiges Lig. teres hepatis und den linken Portalast. 

Die diagnostische Bedeutung des Lig. teres hepatis

Die Betrachtung des linken Pfortaderastes und des Lig. teres hepatis im medianen Längsschnitt sind besonders bedeutungsvoll für die Beurteilung einer portalen Hypertension. Bei der Ausbildung portocavaler Umgehungskreiläufe kann die obliterierte Nabelvene rekanalisiert werden. Man findet dann anstelle des Lig. teres ein Gefäß, welches aus dem Portalast entspringt und in Richtung Bauchwand zieht (mittleres Bild). Die Flussrichtung ist hepatofugal, so dass im Farbdoppler eine rote Codierung zu sehen ist (rechtes Bild). Die Rekanalisierung der Nabelvene wird auch als Cruveilhier-von-Baumgarten-Syndrom bezeichnet. Das linke Bild zeigt zum Vergleich noch einmal den Normalbefund.

Das Lig. teres hepatis im Oberbauchquerschnitt

In Oberbauchquerschnitten taucht das Lig. teres hepatis als unregelmäßiges echogenes Gebilde innerhalb der Leber mit einer Schallschattenzone auf.

Der rechte Ast der Pfortader im Subkostalschnitt

In einem Subkostal-bis Oberbauchquerschnitt kann man die Pfortader bis in den rechten Ast hinein verfolgen. Sieht man ventral des rechten Pfortaderastes ein schmales Gefäß, so handelt es sich um den d. hepaticus dexter. Das mittlere Bild zeigt, dass der rechte Ast der A. hepatica propria sowohl den d. hepaticus communis als auch den d. hepaticus dexter unterkreuzt. Entsprechend kann man an mindestens zwei Stellen kleine Gefäßquerschnitte zwischen dem Portalsystem und dem Gallengangssystem finden.

Der rechte Ast der Pfortader im Interkostalschnitt

Im Interkostalschnitt gelingt eine gute Darstellung des rechten Pfortaderastes, oft in ganzer Länge. Wir sehen rechts im Bild die Gallenblase. In der Tiefe ist die v. cava angeschnitten. Der rechte Pfortaderast läuft auf den Schallkopf zu. Deshalb ist der Anlotwinkel für die Dopplersonographie wieder sehr günstig. Dabei erscheint physiologischerweise eine rote Codierung, der Blutfluss ist auf den Schallkof hin gerichtet. Der Interkostalschnitt ist wertvoll bei der Suche nach einer Pfortaderthrombose, zur Beurteilung der Gallenblase und des Leberparenchyms. 

Der Hauptstamm der Pfortader

Der Weg zur Darstellung des Pfortaderhauptstammes gehört eigentlich ins Pankreaskapitel, sei aber an dieser Stelle noch einmal dargestellt. Man sucht im Oberbauchquerschnitt eine typische Pankreasdarstellung, platziert den Konfluenz in die Bildmitte und dreht den Schallkopf im Uhrzeigersinn. Das Bild rechts oben ist so entstanden. Es zeigt die V.lienalis ventral der AMS, die Konfluenzregion unmittelbar ventral der V. Cava, den Pfortaderhauptstamm ventral der V. Cava und den rechten Portalast. Die Weite der Pfortader kann hier gemessen werden (gelbe Linie).


Die Lebersegmente

Lobus caudatus

Eine konsequente sonographische Erkennung der Lebersegmente gelingt auch dem Erfahrenen nicht. Am einfachsten ist der Lobus caudatus abzugrenzen. Man findet ihn in einem medianen Längsschnitt. Der Lobus caudatus grenzt unmittelbar an die V. Cava. Das Areal ventral des Lobus caudatus entspricht dem Segment IV. Diese ist nach links durch das Lig. falciforme und die linke Lebervene begrenzt. Nach rechts markiert die mittlere Lebervene die Grenze zwischen dem Segment IV auf der einen Seite und dem anterioren Doppelsegment V/VIII auf der anderen. Wenn wir die mittlere Lebervene nicht im Schnitt haben, können wir die Grenze nicht sehen. 

 

Lobus caudatus: Diagnostische Bedeutung

Eine Vergrößerung des Lobus caudatus ist eines der Kriterien der Leberzirrhose. Als Obergrenze gelten Maße von 5,0 cm x 2,5 cm im Längsschnitt. 

Lobus quadratus

Ein Oberbauchquerschnitt oder Subkostalschnitt, der die Gallenblase und das intrahepatische Portalsystem zeigt, lässt das Segment IV b abgrenzen (Lobus quadratus). Dieses befindet sich zwischen dem dargestellten Portalsystem und der Gallenblase. Im sonographischen Schnitt erscheint es zwar nicht quadratisch, ähnelt aber immerhin einem Parallelogramm.

Das laterale Doppelsegment

Im Oberbauchquerschnitt leicht abgrenzbar ist auch das Areal links lateral des Lig. falciforme. Da wir von kaudal nach kranial schallen ist das Segment III schallkopf-nah, das Segment II schallkopf-fern. Die Grenze zwischen den beiden Segmenten kann nicht identifiziert werden. Wir können uns aber festlegen, dass alles, was links des Lig.falciforme liegt, zum lateralen Doppelsegment gehört. 

Der rechte Leberlappen

Das große Areal rechts der mittleren Lebervene entspricht dem eigentlichen rechten Leberlappen, anders ausgedrückt dem anterioren und dem posterioren Doppelsegment. Rechts der rechten Lebervene liegt das posteriore Doppelsegment. Nun ist der Venenstern ja nur in einer einzigen Ebene zu sehen. Eine weitere Trennlinie zwischen dem rechten und em linken Leberlappen ist die Cava-Gallenblase-Linie (Fissura principalis).

Da wir die Segmente nicht sauber abgrenzen können, müssen wir uns anders behelfen. Zur Lokalisation fokaler Läsionen empfehle ich Beschreibungen wie "subdiaphragmal", "in Nachbarschaft zur lateralen Bauchwand" oder "in der Nähe des Leberunterrandes". 


Die Größe der Leber

Üblicherweise wird die Größe der Leber in einem paramedianen Längsschnitt in der Medioklavikularlinie gemessen. Man misst vom Leberrand bis zur Zwerchfellkuppel. Als Obergrenze gilt 13 cm. Die Messung ist ungenau und es müssen weitere Kriterien wie die Form der Leber und die Körpergröße bedacht werden. 


Untersuchungsablauf Lebersonographie

1. Oberbauchlängsschnitte

Ich beginne die Sonographie der Leber mit Längsschnitten im Bereich des linken Leberlappens. Jeweils in Inspiration führe ich den Schallkopf mit einer schwenkenden Bewegung nach median. Dabei beurteile ich den Leberrand, die Homogenität des Parenchyms und die Leberkapsel. Als erste "Landmarke" taucht der linke Portalast auf, möglicherweise mit dem längs getroffenen Lig. teres. Wieder in Inspiration wird der Schallkopf weiter nach median geführt. Es taucht dann der Lobus caudatus auf, der bei Zirrhose-Verdacht ausgemessen wird. Weiter mit einer Kombination aus Gleiten und Kippen des Schallkopfes nach patientenseitig rechts, auf den Untersucher zu. Als nächster Orientierungspunkt erscheint die Gallenblase, die von Fundus bis Infundibulum längs angeschnitten ist. Kriterien sind weiterhin Leberrrand, Homogenität des Parenchyms und Leberkapsel. Bei der weiteren Durchmusterung der Leber nach rechts erscheint als nächste Landmarke die Niere. Hier endet die Serie der paramedianen Längsschnitte.

2. Interkostalschnitte

Als zweite Schnittserie folgen die Interkostalschnitte. Ich beginne so weit wie möglich ventral. Wenn man den Schallkopf in einer Verlängerung der Nabel-Schulter-Linie aufsetzt, kann man die Pfortader mit dem begleitenden Gallengang darstellen. Es folgen Schnitte aus jedem Interkostalraum heraus. Der Schallkopf wird in jedem Interkostalraum so weit wie möglich nach ventral und dorsal anguliert. der rechte Portalast läuft auf den Schallkopf zu. In der Tiefe ist die V. Cava erkennbar. Rechts im Bild neben der Pfortader ist wieder der Gallengang erkennbar. Ebenfalls rechts im Bild in der Nähe des Leberunterrandes sieht man die Gallenblase. Aus dieser Perspektive ist das Infundibulum besonders gut beurteilbar. In den dorsolateralen Interkostalschnitten kommt die Niere ins Bild. Das Augenmerk gilt aber weiterhin dem Leberparenchym, der Leberkapsel und den Anschnitten der intrahepatischen Gefäße.

3. Quer- und Subkostalschnitte

Obere Reihe:

Die dritte Schnittserie beginnt als Oberbauchquerschnitt mit ganz flachem Winkel zwischen Schallkopf und Bauch (1). Man sieht einen Streifen des linken Leberlappens und das Herz (2). Ich beginne soweit links wie möglich, um auch den Bereich am linken Rand des linken Leberlappens zu erfassen (3). Beim langsamen Aufrichten  des Schallkopfes sieht man zuerst die Lebervene (4).

Mittlere Reihe:

Beim weiteren Aufrichten des Schallkopfes kommt der linke Pfortaderast ins Blickfeld (1). Man sieht das Lig. falciforme und die Portaläste in das laterale Doppelsegment. Der Schallkopf wird so weit aufgerichtet, bis kein Leberparenchym mehr zu sehen ist. Sollte der Schallkopf schon senkrecht zur Hautoberfläche stehen, wird er parallel nach kaudal verschoben bis auch die kaudalen Leberabschnitte gesehen sind. Dann wird der Schallkopf in eine Subkostalposition versetzt (2). Bei flacher Anlotung kommen wieder zunächst die Lebervenen ins Blickfeld (2). Bei weiterem Aufrichten des Schallkopfes erscheint das portalvenöse System (3). Vom rechten Portalast führt ein Bindegewebsbändchen zur Gallenblase (4).  

Untere Reihe:

Erneut wird der Schallkopf in subkostaler Position weiter nach lateral versetzt. Wieder erscheinen bei flacher Anlotung die Lebervenen, hier im Bild insbesondere die rechte Lebervene herausgearbeitet (1). Wieder bei weiterem Aufrichten des Schallkopfes Darstellung des Portalsystems, hier des rechten Pfortaderastes (2). Als schmales Begleitgefäß sieht man ventral hiervon den D. hepaticus dexter. Bei weiterem Durchmustern nach erneuter Versetzung des Schallkpfes nach lateral kommt die quer geschnittene Niere ins Bild (3). 


Schlussbemerkung

Hier endet die Einführung in die Lebersonographie. Über die pathologischen Veränderungen der Leber wird es einen gesonderten Beitrag geben. Auch die Darstellung des DHC wird an anderer Stelle besprochen. Ich hoffe, dass dieser kleine Online-Kurs einen Beitrag zum tieferen Verständnis der sonographischen Leberdarstellung leisten konnte.